Aktuelles

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"Federleicht" im Januar 2018: Helga Thiele-Messow und Kirsten Döbler

"Liebe & Niedertracht" lautete das Motto der ersten Federleicht-Lesung in diesem Jahr, die die AG Literatur der Braunschweigischen Landschaft wie üblich jeden ersten Sonntag im Monat im Raabehaus Literaturzentrum Braunschweig veranstaltet. Und weil die beiden Autorinnen Kirsten Döbler und Helga Thiele-Messow bereits ein gewisses Renommee und einen entsprechenden Freundes- und Fankreis haben, vielleicht auch weil Januar-untypisch das Wetter außerordentlich gut mitspielte, war der Saal in Wilhelm Raabes Sterbewohnung bis auf den letzten Platz gefüllt.

Rund 50 Gäste ließen sich von den Erzählungen über verpasste Liebschaften verführen: Thiele-Messow las über ein ausgeschlagenes eindeutiges Angebot nach einer Disco-Nacht und eine Jahrzehnte später erneuerte Offerte mit verwechseltem Adressaten - amüsant ("Keine Paarungen"). In ihrer zweiten Leseprobe lässt die Autorin einer Frau regelmäßig Einkäufe vom "Mann vom Markt" nach Hause liefern … und noch etwas mehr. Als die doppeldeutigen Lieferungen unerwartet ausbleiben und die Frau sehnsuchtsvoll recherchiert, gibt es ein böses Erwachen.

 

 

Das stellt sich auch bei Kirsten Döblers Texten ein. Aus ihrem 2017 erschienenen Buch "Außer Balance" las die Autorin zwei Texte: In "Tante Klaras Nachlass" geht es um die Entdeckung einer niemals vollzogenen großen Liebe. Richtig niederträchtig aber wird es in der Erzählung "Unisono", in der ein scheinbar harmloser Musikunterricht in der Schule zum Erlebnis der dritten Art mutiert. Die Klasse 9a mobbt ihre Lehrerin auf ebenso subtile wie perfide Weise, was erdrückende Folgen hat.

 

Beide Autorinnen begeistern durch ihre präzise Beobachtungsgabe und die literarischen Mittel, den realistisch wirkenden Stoff sprachlich eindrucksvoll umzusetzen. Dabei arbeiten beide mit überraschenden Wendungen in der Handlungsführung, die das Publikum in Atem halten und im besten Wortsinn unterhalten. Ein gelungener Jahresauftakt.


Text: Dr. Lutz Tantow